Die Stammfunktion der Kosekans-hyperbolicus-Funktion (abgekürzt: csch) lässt sich mithilfe einer Integration durch Substitution und einer Partialbruchzerlegung bestimmen. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Herleitung der Stammfunktion, demonstriert deren Anwendung an einigen Beispielen und beschäftigt sich mit den Integrationsregeln für ganzzahligePotenzen der Kosekans-hyperbolicus-Funktion.
Hinweis: Bei $\mathcal{C}$ handelt es sich wie üblich um die Integrationskonstante. Bei $\csch^{-1}$ handelt es sich um den Kehrwert $\frac{1}{\csch}$ der Kosekans-hyperbolicus-Funktion – und nicht um die Areakosekans-hyperbolicus-Funktion.
Beispiele
Beispiel 1
Gegeben sei die folgende Funktion, deren Stammfunktion mithilfe der Integrationsregel der Kosekans-hyperbolicus-Funktion bestimmt werden soll:
\[ f(x) = \csch(3x) \]
Mithilfe der Integration durch Substitution und der Faktorregel für Integrale ergibt sich für die gesuchte Stammfunktion von $f(x)$ die folgende Lösung. Hierbei wird $t=3x$ substituiert, woraus sich $dt = 3\ dx$ bzw. $dx = \frac{1}{3}\ dt$ ergibt.
Gegeben sei die folgende Funktion, deren Stammfunktion mithilfe der Integrationsregel der Kosekans-hyperbolicus-Funktion bestimmt werden soll:
\[ g(x) = \csch\left(x^2 + 4\right) \cdot x \]
Mithilfe der Integration durch Substitution und der Faktorregel für Integrale ergibt sich für die gesuchte Stammfunktion von $g(x)$ die folgende Lösung. Hierbei wird $t=x^2+4$ substituiert, woraus sich $dt = 2x\ dx$ bzw. $x\ dx = \frac{1}{2}\ dt$ ergibt.
Gegeben sei die folgende Funktion, deren Stammfunktion mithilfe der Integrationsregel der Kosekans-hyperbolicus-Funktion bestimmt werden soll:
\[ h(x) = \csch^4(x) \]
Die Funktion $\csch^4(x)$ kann nicht unmittelbar integriert werden, da hierfür keine explizite Integrationsregel existiert. Das Integral kann jedoch durch Anwenden der Rekursionsformel für $n \gt 1$ zunächst umgeformt (bzw. vereinfacht) und anschließend aufgelöst werden, nachdem der Exponent auf $2$ reduziert wurde. Es gilt:
Die Herleitung der Integrationsregel bzw. der Stammfunktion der Kosekans-hyperbolicus-Funktion erfolgt mithilfe einer Integration durch Substitution. Zunächst wird die Funktion umgeformt:
Auflösen der Beträge mithilfe der Eigenschaft $\cosh(x) \pm 1 \geq 0$
Hinzufügen der Integrationskonstante $\mathcal{C}$
Weitere Form der Stammfunktion
Die erhaltene Stammfunktion lässt sich unter anderem mithilfe der Logarithmus- und Potenzgesetze sowie den hyperbolischen Halbwinkelidentitäten in die folgende kompaktere Form überführen:
Für positive ganzzahlige Exponenten $n \gt 2$ können Potenzen der Kosekans-hyperbolicus-Funktion nicht direkt integriert werden, da hierfür keine explizite Integrationsregel existiert. Stattdessen kann eine Rekursionsformel hergeleitet werden, die das Integral $\int{\csch^n(x)\ dx}$ auf das einfachere Integral $\int{\csch^{n-2}(x)\ dx}$ zurückführt. Die Herleitung erfolgt mithilfe von partieller Integration.
Zusammenfassen von $\csch^2(x) \cdot \csch^{n-2}(x)$ zu $\csch^n(x)$ mithilfe von Potenzgesetz I-a
Auflösen der Klammern
In der gefundenen Formel taucht das Integral $\int{\csch^n(x)\ dx}$ auf beiden Seiten mit unterschiedlicher Vielfachheit auf. Abschließendes Umstellen liefert die gesuchte Rekursionsformel:
Diese Formel führt das Integral $\int{\csch^n(x)\ dx}$ auf das Integral $\int{\csch^{n-2}(x)\ dx}$ zurück (für $n \gt 1$), dessen Exponent $n-2$ stets kleiner als der ursprüngliche Exponent $n$ ist. Durch wiederholtes Anwenden wird der Exponent schrittweise auf $1$ oder $2$ gebracht. Beide Fälle fungieren als Rekursionsanker bzw. Basisfall, da sie eine bekannte Stammfunktion besitzen – und erlauben somit ein vollständiges Auflösen des Integrals. (Hinweis: Der Exponent $0$ wäre ebenfalls ein möglicher Basisfall. Da jedoch bereits für den Fall $\csch^2$ eine Stammfunktion existiert, wäre dies lediglich zusätzlicher und unnötiger Rechenaufwand.)
Herleitung der Integrationsregel von cschn(x) für n < -1
Für negative ganzzahlige Exponenten $n \lt -1$ können Potenzen der Kosekans-hyperbolicus-Funktion nicht direkt integriert werden, da hierfür keine explizite Integrationsregel existiert. Stattdessen kann eine Rekursionsformel hergeleitet werden, die das Integral $\int{\csch^n(x)\ dx}$ auf ein einfacheres Integral zurückführt. Sie ergibt sich direkt durch algebraisches Umformen der bereits bekannten Formel für $n \gt 1$. Es gilt:
Umstellen nach $\frac{n-2}{n-1} \cdot \int{\csch^{n-2}(x)\ dx}$
(3)
Multiplikation der Gleichung mit $\frac{n-1}{n-2}$
(4)
Substitution von $m = n-2$
Die erhaltene Formel führt das Integral $\int{\csch^m(x)\ dx}$ auf das Integral $\int{\csch^{m+2}(x)\ dx}$ zurück (für $m \lt -1$), dessen Exponent $m+2$ betragsmäßig stets kleiner als der ursprüngliche Exponent $m$ ist. Durch wiederholtes Anwenden wird der Exponent schrittweise auf $-1$ oder $0$ gebracht. Beide Fälle fungieren als Rekursionsanker bzw. Basisfall, da sie eine bekannte Stammfunktion besitzen – und erlauben somit ein vollständiges Auflösen des Integrals: