Die Stammfunktion der Sinus-Funktion (abgekürzt: sin) lässt sich direkt durch Umkehrung der Ableitungsregel der Kosinus-Funktion bestimmen. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Herleitung der Stammfunktion, demonstriert deren Anwendung an einigen Beispielen und beschäftigt sich mit den Integrationsregeln für ganzzahligePotenzen der Sinus-Funktion.
Hinweis: Bei $\mathcal{C}$ handelt es sich wie üblich um die Integrationskonstante. Bei $\sin^{-1}$ handelt es sich um den Kehrwert $\frac{1}{\sin}$ der Sinus-Funktion – und nicht um die Arkussinus-Funktion.
Beispiele
Beispiel 1
Gegeben sei die folgende Funktion, deren Stammfunktion mithilfe der Integrationsregel der Sinus-Funktion bestimmt werden soll:
\[ f(x) = \sin(4x) \]
Mithilfe der Integration durch Substitution und der Faktorregel für Integrale ergibt sich für die gesuchte Stammfunktion von $f(x)$ die folgende Lösung. Hierbei wird $t=4x$ substituiert, woraus sich $dt = 4\ dx$ bzw. $dx = \frac{1}{4}\ dt$ ergibt.
Gegeben sei die folgende Funktion, deren Stammfunktion mithilfe der Integrationsregel der Sinus-Funktion bestimmt werden soll:
\[ g(x) = \sin\left(x^2 + 5\right) \cdot x \]
Mithilfe der Integration durch Substitution und der Faktorregel für Integrale ergibt sich für die gesuchte Stammfunktion von $g(x)$ die folgende Lösung. Hierbei wird $t=x^2+5$ substituiert, woraus sich $dt = 2x\ dx$ bzw. $x\ dx = \frac{1}{2}\ dt$ ergibt.
Gegeben sei die folgende Funktion, deren Stammfunktion mithilfe der Integrationsregel der Sinus-Funktion bestimmt werden soll:
\[ h(x) = \sin^4(x) \]
Die Funktion $\sin^4(x)$ kann nicht unmittelbar integriert werden, da hierfür keine explizite Integrationsregel existiert. Das Integral kann jedoch durch zweifaches Anwenden der Rekursionsformel für $n \gt 1$ zunächst umgeformt (bzw. vereinfacht) und anschließend aufgelöst werden, nachdem der Exponent auf $0$ reduziert wurde. Es gilt:
Die Herleitung der Integrationsregel bzw. der Stammfunktion der Sinus-Funktion erfolgt durch Umkehrung der Ableitungsregel der Kosinus-Funktion. Es gilt:
Auswerten des Integrals: Die Stammfunktion von $\frac{d}{dx}\bigl[f(x)\bigr]$ ist $f(x)$
Hinzufügen der Integrationskonstante $\mathcal{C}$
Herleitung der Integrationsregel von sin-1(x)
Die Stammfunktion von $\sin^{-1}(x) = \frac{1}{\sin(x)}$ lässt sich mithilfe einer Integration durch Substitution und anschließender Partialbruchzerlegung bestimmen. Zunächst wird die Funktion umgeformt:
Hinzufügen der Integrationskonstante $\mathcal{C}$
Weitere Form der Stammfunktion
Die erhaltene Stammfunktion lässt sich unter anderem mithilfe der Logarithmus- und Potenzgesetze sowie den Halbwinkelidentitäten in die folgende kompaktere Form überführen:
Herleitung der Integrationsregel von sinn(x) für n > 1
Für positive ganzzahlige Exponenten $n \gt 1$ können Potenzen der Sinus-Funktion nicht direkt integriert werden, da hierfür keine explizite Integrationsregel existiert. Stattdessen kann eine Rekursionsformel hergeleitet werden, die das Integral $\int{\sin^n(x)\ dx}$ auf das einfachere Integral $\int{\sin^{n-2}(x)\ dx}$ zurückführt. Die Herleitung erfolgt mithilfe von partieller Integration.
Zusammenfassen von $\sin^2(x) \cdot \sin^{n-2}(x)$ zu $\sin^n(x)$ mithilfe von Potenzgesetz I-a
Auflösen der Klammern
In der gefundenen Formel taucht das Integral $\int{\sin^n(x)\ dx}$ auf beiden Seiten mit unterschiedlicher Vielfachheit auf. Abschließendes Umstellen liefert die gesuchte Rekursionsformel:
Diese Formel führt das Integral $\int{\sin^n(x)\ dx}$ auf das Integral $\int{\sin^{n-2}(x)\ dx}$ zurück (für $n \gt 1$), dessen Exponent $n-2$ stets kleiner als der ursprüngliche Exponent $n$ ist. Durch wiederholtes Anwenden wird der Exponent schrittweise auf $0$ oder $1$ gebracht. Beide Fälle fungieren als Rekursionsanker bzw. Basisfall, da sie eine bekannte Stammfunktion besitzen – und erlauben somit ein vollständiges Auflösen des Integrals:
Herleitung der Integrationsregel von sinn(x) für n < -1
Für negative ganzzahlige Exponenten $n \lt -1$ können Potenzen der Sinus-Funktion nicht direkt integriert werden, da hierfür keine explizite Integrationsregel existiert. Stattdessen kann eine Rekursionsformel hergeleitet werden, die das Integral $\int{\sin^n(x)\ dx}$ auf ein einfacheres Integral zurückführt. Sie ergibt sich direkt durch algebraisches Umformen der bereits bekannten Formel für $n \gt 1$. Es gilt:
Umstellen nach $\frac{n-1}{n} \cdot \int{\sin^{n-2}(x)\ dx}$
(3)
Multiplikation der Gleichung mit $\frac{n}{n-1}$
(4)
Substitution von $m = n-2$
Die erhaltene Formel führt das Integral $\int{\sin^m(x)\ dx}$ auf das Integral $\int{\sin^{m+2}(x)\ dx}$ zurück (für $m \lt -1$), dessen Exponent $m+2$ betragsmäßig stets kleiner als der ursprüngliche Exponent $m$ ist. Durch wiederholtes Anwenden wird der Exponent schrittweise auf $-1$ oder $0$ gebracht. Beide Fälle fungieren als Rekursionsanker bzw. Basisfall, da sie eine bekannte Stammfunktion besitzen – und erlauben somit ein vollständiges Auflösen des Integrals: