Tangens (Integrationsregel)
Die Stammfunktion der Tangens-Funktion (abgekürzt: tan) lässt sich nicht direkt durch eine der elementaren Integrationsregeln bestimmen, da die Tangens-Funktion keiner Standardform entspricht. Sie kann jedoch durch Ausnutzen der Definition der Tangens-Funktion sowie der Integration durch Substitution hergeleitet werden. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Herleitung der Stammfunktion, demonstriert deren Anwendung an einigen Beispielen und beschäftigt sich mit den Integrationsregeln für ganzzahlige Potenzen der Tangens-Funktion.
Grundlagen
Die Tangens-Funktion ist eine der grundlegenden trigonometrischen Funktionen. Sie kann für alle reellen Zahlen $x \in \R$ mit $x \neq k\pi + \frac{\pi}{2}$ (mit $k \in \Z$) als Quotient der Sinus-Funktion und der Kosinus-Funktion dargestellt werden.
Integrationsregel
Die Stammfunktion der Tangens-Funktion (abgekürzt: tan) ist für alle reellen Zahlen $x \in \R$ mit $x \neq k\pi + \frac{\pi}{2}$ (für $k \in \Z$) wie folgt definiert:
Für Potenzen der Tangens-Funktion mit ganzzahligen Exponenten existieren darüber hinaus die folgenden Integrationsregeln:
Hinweis: Bei $\mathcal{C}$ handelt es sich wie üblich um die Integrationskonstante. Bei $\tan^{-1}$ handelt es sich um den Kehrwert $\frac{1}{\tan}$ der Tangens-Funktion – und nicht um die Arkustangens-Funktion.
Beispiele
Beispiel 1
Gegeben sei die folgende Funktion, deren Stammfunktion mithilfe der Integrationsregel der Tangens-Funktion bestimmt werden soll:
Mithilfe der Integration durch Substitution und der Faktorregel für Integrale ergibt sich für die gesuchte Stammfunktion von $f(x)$ die folgende Lösung. Hierbei wird $t=3x$ substituiert, woraus sich $dt = 3\ dx$ bzw. $dx = \frac{1}{3}\ dt$ ergibt.
Beispiel 2
Gegeben sei die folgende Funktion, deren Stammfunktion mithilfe der Integrationsregel der Tangens-Funktion bestimmt werden soll:
Mithilfe der Integration durch Substitution und der Faktorregel für Integrale ergibt sich für die gesuchte Stammfunktion von $g(x)$ die folgende Lösung. Hierbei wird $t=x^2+1$ substituiert, woraus sich $dt = 2x\ dx$ bzw. $x\ dx = \frac{1}{2}\ dt$ ergibt.
Beispiel 3
Gegeben sei die folgende Funktion, deren Stammfunktion mithilfe der Integrationsregel der Tangens-Funktion bestimmt werden soll:
Die Funktion $\tan^5(x)$ kann nicht unmittelbar integriert werden, da hierfür keine explizite Integrationsregel existiert. Das Integral kann jedoch durch zweifaches Anwenden der Rekursionsformel für $n \gt 1$ zunächst umgeformt (bzw. vereinfacht) und anschließend aufgelöst werden, nachdem der Exponent auf $1$ reduziert wurde. Es gilt:
Herleitung der Integrationsregel von tan(x)
Die Herleitung der Integrationsregel bzw. der Stammfunktion der Tangens-Funktion erfolgt auf Grundlage der Eigenschaft, dass die Tangens-Funktion sich als Quotient der Sinus-Funktion und der Kosinus-Funktion ergibt. Für die Herleitung der gesuchten Stammfunktion wird die Funktion zunächst leicht umgeformt und anschließend eine Integration durch Substitution durchgeführt; hierfür wird unter anderem die Ableitungsregel der Kosinus-Funktion benötigt. Es gilt:
| Erklärungen zu den Schritten | |
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Weitere Form der Stammfunktion
Die erhaltene Stammfunktion $-\ln \left| \cos(x) \right|$ kann mithilfe der Definition der Sekans-Funktion und der Logarithmusgesetze in die folgende äquivalente Form überführt werden:
| Erklärungen zu den Schritten | |
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Herleitung der Integrationsregel von tan-1(x)
Die Stammfunktion von $\tan^{-1}(x) = \frac{1}{\tan(x)}$ lässt sich ebenfalls durch Verwenden der Definition der Tangens-Funktion und anschließende Integration durch Substitution bestimmen. Es gilt:
| Erklärungen zu den Schritten | |
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Hinweis: Bei $\tan^{-1}$ handelt es sich um die Kotangens-Funktion $\cot$. Bei der Integrationsregel für $\tan^{-1}$ handelt es sich somit ebenfalls um die Integrationsregel der Kotangens-Funktion.
Herleitung der Integrationsregel von tann(x) für n > 1
Für positive ganzzahlige Exponenten $n \gt 1$ können Potenzen der Tangens-Funktion nicht direkt integriert werden, da hierfür keine explizite Integrationsregel existiert. Stattdessen kann eine Rekursionsformel hergeleitet werden, die das Integral $\int{\tan^n(x)\ dx}$ auf das einfachere Integral $\int{\tan^{n-2}(x)\ dx}$ zurückführt. Die Herleitung erfolgt mithilfe einer Integration durch Substitution.
| Erklärungen zu den Schritten | |
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Die gesuchte Rekursionsformel für $n \gt 1$ lautet damit:
Diese Formel führt das Integral $\int{\tan^n(x)\ dx}$ auf das Integral $\int{\tan^{n-2}(x)\ dx}$ zurück (für $n \gt 1$), dessen Exponent $n-2$ stets kleiner als der ursprüngliche Exponent $n$ ist. Durch wiederholtes Anwenden wird der Exponent schrittweise auf $0$ oder $1$ gebracht. Beide Fälle fungieren als Rekursionsanker bzw. Basisfall, da sie eine bekannte Stammfunktion besitzen – und erlauben somit ein vollständiges Auflösen des Integrals:
Herleitung der Integrationsregel von tann(x) für n < -1
Für negative ganzzahlige Exponenten $n \lt -1$ können Potenzen der Tangens-Funktion nicht direkt integriert werden, da hierfür keine explizite Integrationsregel existiert. Stattdessen kann eine Rekursionsformel hergeleitet werden, die das Integral $\int{\tan^n(x)\ dx}$ auf ein einfacheres Integral zurückführt. Sie ergibt sich direkt durch algebraisches Umformen der bereits bekannten Formel für $n \gt 1$. Es gilt:
| Erklärungen zu den Schritten | |
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Die erhaltene Formel führt das Integral $\int{\tan^m(x)\ dx}$ auf das Integral $\int{\tan^{m+2}(x)\ dx}$ zurück (für $m \lt -1$), dessen Exponent $m+2$ betragsmäßig stets kleiner als der ursprüngliche Exponent $m$ ist. Durch wiederholtes Anwenden wird der Exponent schrittweise auf $-1$ oder $0$ gebracht. Beide Fälle fungieren als Rekursionsanker bzw. Basisfall, da sie eine bekannte Stammfunktion besitzen – und erlauben somit ein vollständiges Auflösen des Integrals:
